Reitpädagogik und Reittherapie (Konzept)

 

In meiner Reitpädagogik und Reittherapie geht es um die heil- und sonderpädagogische Förderung mit dem Pferd.

Diese Form der pferdegestützten Pädagogik/Therapie konzentriert sich auf die Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit einem festgestellten Anspruch auf sonderpädagogische Förderung im Bereich der emotional-sozialen Entwicklung sowie auch Lernhilfe und Sprachheil. Dabei werden reittherapeutische Elemente mit heilpädagogischen Methoden kombiniert.

 

In der Reitpädagogik und Reittherapie geht es nicht darum, reiten zu lernen. Das Pferd ist hier kein Sportpartner, sondern ein geduldiger Begleiter auf dem Weg zu sich selbst. Während im Alltag oft Leistung und Funktionieren im Vordergrund stehen, bietet die Begegnung mit dem Pferd einen Raum, in dem es keine Wertungen, Noten, keine Diagnosen und keine Erwartungen gibt. Das Pferd sieht den Menschen hinter der Fassade und reagiert auf das, was im Inneren wirklich los ist.
Ein Pferd lässt sich nicht durch Worte beeindrucken oder durch Druck manipulieren. Es antwortet auf Klarheit, auf Ruhe und auf ein echtes Gegenüber. Genau hier setzt die Therapie an. Wer mit dem Pferd arbeitet, lernt seine eigene Wirkung kennen. Es ist eine Form der Kommunikation, die ganz ohne Sprache auskommt und deshalb oft tiefer reicht als jedes Gespräch.
Für die Kinder wird das Pferd zum Spiegel der eigenen Emotionen. Wer unsicher ist, erlebt, wie das Pferd Schutz sucht. Wer zu impulsiv ist, sieht, wie das Tier auf Distanz geht. Diese unmittelbare Rückmeldung hilft dabei, die eigene Selbstbeherrschung zu finden und Empathie ganz praktisch zu erleben. Es geht darum, Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu übernehmen und dabei gleichzeitig zu spüren, wie das eigene Handeln die Welt um einen herum verändert.
Die tragende Bewegung des Pferdes schenkt dabei ein tiefes Gefühl von Geborgenheit. Sie hilft dabei, den eigenen Körper wieder positiv wahrzunehmen und zur Ruhe zu kommen, wenn der Kopf zu laut wird. In dieser sicheren Beziehung wächst das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Man lernt, mit Widerständen umzugehen und kleine Siege über die eigenen Ängste zu feiern, ohne dass der Leistungsgedanke den Fortschritt bremst.
Reittherapie und Reitpädagogik ist deshalb weit mehr als ein nettes Freizeitangebot im Stall. Es ist hochspezialisierte Beziehungsarbeit, die Fachwissen und eine klare therapeutische Haltung erfordert. Es geht darum, Menschen dabei zu unterstützen, ihre innere Balance wiederzufinden und gestärkt in den Alltag zurückzukehren.
Denn am Ende zählt nicht, wie gut jemand im Sattel sitzt, sondern wie aufrecht und selbstsicher er nach der Zeit mit dem Pferd wieder fest auf seinen eigenen Füßen steht.

 

Ich führe folgende Therapieansätze durch:

Geführtes Reiten

Das Pferd wird von mir im Schritt geführt, während der Klient reitet. Das Pferd trägt ein Sitzkissen. Zum Festhalten dient eine Schlaufe. Aufgestiegen wird durch eine Erhöhung durch Paletten. Er sitzt auf diesem Sitzkissen, welches ermöglicht, auf die individuellen Bedürfnisse des Klienten einzugehen und verschiedene Übungen (Gespräche, Turnübungen, Spiele) durchzuführen.

In der Gangart Schritt wirken übertragen 120 Schwingungsimpulse auf die Senkrechte in der Vor- und Seitwärtsbewegung gesundmachend.

 

Bodenarbeit

Die Arbeit mit und an dem Pferd vom Boden aus, ohne zu reiten, ist dazu da, um Vertrauen aufzubauen, die Kommunikation zu verbessern und verschiedene Fähigkeiten zu schulen. Dazu zählt Pferde- und Stallpflege, Versorgung des Tieres. Schulung der Grob- und Feinmotorik, Merkfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Regeln und Rituale.

Die Übungen sind immer interaktiv vom Boden als auch vom Pferd aus. Förderung der Interaktion zwischen Mensch und Tier finden im Beziehungsdreieck, der Dryade, statt.

Dies dient der Verbesserung der Koordination, des Gleichgewichts und der sozialen Fähigkeiten.

 

Sensorische Stimulation/ Wahrnehmungsförderung

Wird angeregt durch den Kontakt zum Pferd, das Streicheln und Pflegen des Tieres, sowie die Bewegung auf dem Pferd.

 

Kommunikationstraining

Wir kommunizieren mit dem Pferd, beobachten seine Körpersprache und ich übersetze Reaktionen. Dies dient der Verbesserung eigener Kommunikation und zwischenmenschlicher Fähigkeiten.

 

Körperliche Übungen

Sowohl beim Reiten als auch bei Übungen an dem Pferd werden gezielt körperliche Fähigkeiten wie Gleichgewicht, Koordination, Muskelaufbau und Haltung geschult.

Ablauf einer Einheit

 

Jede Einheit ist geprägt von Ritualen und Regeln. Die Abläufe sind offen, die Rahmenbedingungen klar und strukturiert. An- und Entspannung wechseln sich in Phasen ab.

1. Phase

Begrüßung der Beteiligten, ins Gespräch kommen über Bedürfnisse. Anfangsritual: Lied, ins Stroh hüpfen, Datum einstellen, saisonale Themen

2. Phase

Planung der Einheit

Pferdeversorgung (Futter mischen, Heu vorbereiten, Wasser auffüllen)

Stallarbeit (Misten, kehren, einstreuen)

Interaktion mit dem Pferd vom Boden und/oder auf ihm

Spiel (Auswahl, zusammenstellen)  mit dem Pferd oder geführtes Schrittreiten

3. Phase

Durchführung der Aktivitäten mit Material holen und weg bringen

Pferdepflege (Putzkoffer packen, Bürsten auswählen, anwenden, sortiert wegräumen)

Spielaufbau und -abbau oder geführter Schrittausritt 

4. Phase

Abschied

Abschlussritual: Kreativität oder Rollenspiel, Wunschäußerung, aufräumen, bedanken bei den Pferden.

 

Gegebenheiten/Rahmenbedingungen

Die Pferde

Verischert, geimpft, ausgebildet, ausgeglichen, entspannt und an Dinge gewöhnt. Korrektur- und Ausgleichsarbeit durch Koppel, Ausritt, Longe, Freilaufen. Artgerechte Haltung im Offenstall. Einsatz 4 mal in der Woche 1 Stunde. 

Der Ort

Draußen, ohne Strom-  und Wasseranschluss. Campingtoilette. Eine Scheune und einen Bauwagen als Schutz, Feuerstelle, Sitzkreis.

Ausrüstung/Material

Halfter, Trense, Sitzkissen, Halteschlaufe, Aufstiegshilfe. Knoten im Strick zur Orientierung beim Führen. Individuelle Putzkoffer und Putzgeräte für jedes Pferd. Unterschiedliche Größe und Formen und Farben für jeden Geschmack ist was dabei. Reithelme zum Ausleihen. Bunte Lernzügel. Tücher, Bälle, Ringe, Würfel, Hütchen,... Bildkarten, Bildunterstützung, Pferdewelt mit Bildunterstützung dargestellt, Spielscheune mit Schreibtisch, Zelt, Sitzgelegenheiten, Holzpferd, Kreativecke.